Statement zum Voluntourismus

Zahlreiche Artikel und Diskussionen zum „Voluntourism“ kursieren derzeit durchs Netz. Es ist eine wichtige Thematik, mit der wir als Verein für nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit immer wieder konfrontiert werden und mit der wir uns auseinandersetzen wollen. Inwiefern ist es sinnvoll und nachhaltig was wir tun? Was sind unsere Motivationen? Und was unterscheidet uns von den Projekten, welche unter dem Begriff “Voluntourism” kritisiert werden?
Eine erste grundlegende Abgrenzung zu anderen, möglicherweise sogar profitorientierten Organisationen, ist die Motivation unseres Vereins und die unserer Volunteers. Durch ein Bewerbungsverfahren versuchen wir die Menschen, die sich lediglich einen netten Abenteuerurlaub ermöglichen wollen, von jenen zu trennen, die ihre Aufgabe tatsächlich darin sehen, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als sie sie vorgefunden haben. Dabei steht klar im Fokus, Menschen zu helfen, die unsere aktive, projektbezogene Unterstützung brauchen.
Wir zählen es zu einer der zentralen Aufgaben der Volunteers, dass sie über Monate hinweg, bevor sie in die Projekte im Ausland gehen, Gelder sammeln, um die Projekte zu finanzieren. Der Kreativität sind beim Fundraisen keine Grenzen gesetzt und spätestens hier wird deutlich, dass es – bei allem damit verbundenen Spaß – um eine ernstzunehmende Sache geht.
Im Zeitalter der Globalisierung erachten wir es für sinnvoll, dass kultureller Austausch auf Augenhöhe stattfindet und Geld und Ressourcen angemessener in der Welt verteilt werden. Damit versteht es sich von selbst, dass die von den Volunteers gesammelten Spenden ausschließlich in die Realisierung der Projekte fließen und damit dem globalen Süden zugute kommen. Wir als Verein arbeiten vollständig ehrenamtlich und sind an keinerlei finanziellem Profit interessiert.
Unsere Volunteers werden durch ein kulturelles Training (Sprachkurs, interkulturelle Kommunikation, etc.) in Heidelberg und im Land des Projektes auf ihre Aufgaben vorbereitet. Die Begegnungen in den Gastfamilien und Dörfern der Projekte führen zum Ideenaustausch und neuer kultureller Kreativität. Eine Erfahrung, welche erfahrungsgemäß sowohl die Volunteers, als auch die Menschen vor Ort, mit welchen noch lange über den eigentlichen Aufenthalt hinaus Kontakt gehalten wird, bereichert. Durch die Vorbereitungstrainings wollen wir außerdem die Selbstreflexion der Volunteers anregen, sodass in den interkulturellen Begegnungen eine subtile Hierarchie vermieden wird und niemand glaubt, durch unser Projekt der Retter der Welt zu werden, was (zurecht )in zahlreichen Artikeln zu “Voluntourism” kritisiert wird. Wir wollen bewusst keine Hierarchien schaffen und durch Dialog Vorurteile prüfen. Es ist uns bewusst, dass wir keine Facharbeiter in die Projekte senden und das ist auch nicht unsere Absicht. Es werden lokale Fachkräfte eingesetzt, was außerdem den Arbeitsmarkt vor Ort fördert.
Der Grund dafür, dass wir Freiwillige für sechs Wochen an die Orte der Projekte schicken, ist, dass wir eine Transparenz schaffen wollen, ob und inwiefern die gesammelten Spendengelder dort ankommen, wo sie benötigt werden und dass wir den bereits beschriebenen kulturellen Austausch unterstützen wollen, den wir als wichtigen Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit erachten.
Darüber hinaus wollen wir durch das Volunteering ein Bewusstsein für nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit schaffen und ein soziales Engagement über die einzelnen Projekte hinaus fördern. Wir wollen unsere Volunteers dazu anregen, ihre Arbeit und die Nachhaltigkeit dieser zu reflektieren und zu hinterfragen. Durch Vortragsreihen und andere Aktionen hier in Deutschland wollen wir auch das allgemeine Bewusstsein für nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit und ihre Notwendigkeit fördern.
In unseren Projekten möchten wir Nachhaltigkeit gewährleisten, indem wir durch eine Partnerorganisation vor Ort gemeinsam mit den Einheimischen Lösungen suchen, welche ihre Alltagssituation langfristig verbessern. Das Projekt soll sich auch noch in Zukunft selbst tragen können. Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Freiwillige ins Ausland zu schicken, sondern unsere Hilfe überflüssig zu machen. Es ist eine Hilfe zur Selbsthilfe und dafür ist es von großer Bedeutung, dass die betroffenen Einheimischen an der Planung und Umsetzung der Projekte unmittelbar beteiligt sind.
Weitere zentrale Punkte, welche uns von Voluntourism-Organisationen unterscheiden, sind zum einen die enge Zusammenarbeit von Verein und Freiwilligen und zum anderen das Monitoring und die Reflexion, welche sich an die Projekte im Ausland anschließen und aus welchen wir stets unser Konzept und dessen Nachhaltigkeit verbessern wollen. HeiSDA ist ein junger Verein, der möglicherweise erstmal aus Erfahrung lernen muss, aber wir möchten uns ganz bewusst mit den Fragen der Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit unserer Arbeit konfrontieren. Und was wäre eine Welt ganz ohne Vereine wie HeiSDA?

Dieser Artikel entstand aus einer internen Diskussion heraus auf Basis folgenden Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/studenten-und-berufseinsteiger/freiwillige-im-ausland-mal-kurz-die-welt-retten-15003638.html